Bei Gelenk- und Wirbelsaeulenerkrankungen auf Verordnung von Funktionstraining achten

Funktionstraining gilt als besonders effizient, um die Beweglichkeit von Gelenken zu fördern und zu erhalten.
Funktionstraining gilt als besonders effizient, um die Beweglichkeit von Gelenken zu fördern und zu erhalten.
Foto: Deutsche Rheuma-Liga Baden-Württemberg.
Funktionstraining gilt als besonders effizient, um die Beweglichkeit von Gelenken zu fördern und zu erhalten.
Foto: Deutsche Rheuma-Liga Baden-Württemberg.















Ein spezielles Bewegungsprogramm für Rheumakranke hilft, die Gelenkbeweglichkeit zu erhalten. Ärzte sollten darauf achten, Betroffenen das bewährte Funktionstraining zu verordnen. Darauf weist die Deutsche Rheuma-Liga hin.

 

Bonn, 11. Dezember 2014. Wenn bei einer rheumatischen Erkrankung jede Bewegung schmerzt, helfen moderne Medikamente. „Betroffene können aber auch viel selbst dafür tun, um ein bestmögliches Leben mit ihrer Erkrankung zu führen“, betont Rotraut Schmale-Grede, Vizepräsidentin der Deutschen Rheuma-Liga. „Dazu gehören nicht nur Medikamente und eine ausgewogene Ernährung, sondern auch die richtige Bewegung.“

 

Doch allgemeine Bewegungsprogramme und -angebote, etwa in Fitness-Studios oder Sportvereinen, können rheumakranke Menschen überfordern. „Häufig steht bei solchen allgemeinen Ausdauer- und Kräftigungsübungen die sportliche Leistung im Vordergrund. Rheumakranke können aufgrund ihrer Schmerzen und Bewegungseinschränkungen oft nicht mithalten. Es besteht die Gefahr, dass sie entmutigt aufgeben“, mahnt Rotraut Schmale-Grede.

 

Das Funktionstraining dagegen eignet sich für Betroffene mit rheumatischen Erkrankungen aller Altersstufen: Physiotherapeuten mit einer vorgeschriebenen speziellen Zusatzausbildung leiten dabei eine Gruppe Betroffener zu speziellen Übungen für die betroffenen Gelenke an – in warmem Wasser oder als Trockengymnastik. Dabei nehmen die Therapeuten Rücksicht auf individuelle Einschränkungen und geben Betroffenen Tipps und Hilfestellungen, wenn jemand aufgrund der Erkrankung eine Übung nicht korrekt durchführen kann. „Zudem ist das Funktionstraining als Hilfe zur Selbsthilfe gedacht: Die Übungen sind so angelegt, dass Betroffene sie täglich zu Hause in Eigenregie durchführen können“, betont Rotraut Schmale-Grede.

 

Die Ziele von Trocken- und Warmwassergymnastik sind identisch: Förderung der Beweglichkeit, Kräftigung der Muskulatur und Schmerzlinderung. Der Arzt entscheidet mit der Verordnung, ob Trocken- oder Warmwassergymnastik. „Vielen Betroffenen fällt Bewegung im warmen Wasser dank des Auftriebs zwar leichter. Auf der anderen Seite berichten unsere Teilnehmer der Trockengymnastik, dass sie die Übungen als effektiver erleben“, weiß Rotraut Schmale-Grede. „Die Physiotherapeuten können die korrekte Ausführung besser überprüfen. Auch das Wiederholen der Übungen zu Hause fällt Teilnehmern der Trockengymnastik in der Regel leichter.“

 

An Orten, an denen es keinen Zugang zu einem geeigneten Bewegungsbad gibt, bietet die Rheuma-Liga daher bevorzugt Trockengymnastik an. „So stellen wir sicher, dass die Anfahrtswege nicht zu lang und damit unzumutbar werden“, betont Rotraut Schmale-Grede. „Manche Betroffene können auch nicht schwimmen und scheuen daher das Wasser – oder das Umziehen, das für rheumakranke Finger oft eine besondere Herausforderung darstellt.“

 

Die Kosten für das Funktionstraining übernehmen die Sozialleistungsträger. Die Verordnung erfolgt durch den Arzt auf dem Verordnungsvordruck Muster 56, dabei muss zwischen Rehabilitationssport und Funktionstraining unterschieden werden. Für Betroffene mit entzündlichen und degenerativen Gelenk- und Wirbelsäulenerkrankungen, Osteoporose und Fibromyalgie eignet sich das Funktionstraining, das die Selbsthilfeorganisationen vor Ort anbieten. Das Funktionstraining wird nicht auf die Richtgrößen bei der Heilmittelverordnung angerechnet.

 


« zurück» drucken