Die ,,Dompteusen der Stricknadeln" von der Fibromyalgiegruppe aus Wismar berichten


Von den Forschungsprojekten „Stricken als Therapieform“ erfuhr ich unter

www.stichtlinks: chronische Schmerzen, soziale Kontakte, psychisches Wohlbefinden, Selbstwertgefühl, Isolation und Depressionen, um nur einige Stichpunkte zu nennen.

 Um eine Strickgruppe unter dem Dach der Rheuma-Liga zu gründen, bekam ich von der AG-Vorsitzenden Frau Christa Wulf „Grünes Licht“. Aber in der Gruppe selbst fand mein Vorschlag leider kein Interesse.

Viele Wollreste und die Mitteilung in der Tagespresse über einen neuen Chefarzt der Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe am Sana Hanse-Klinikum Wismar brachten mich auf die Idee, Mützen für die Frühchen zu stricken.

Ich hatte vor, das Stricken als Therapieform auch für unsere Selbsthilfegruppe zu nutzen. Wenn die Strickerinnen die Produkte direkt auf der Neugeborenen-Station abliefern könnten, wäre das ein tolles Erfolgserlebnis für alle.

Frau Kerstin Steinhagen, Mitarbeiterin des Wismarer Klinikums und Teilnehmerin am Funktionstraining, „erforschte“ den Bedarf. Die Station  könne gut Mützen und Socken gebrauchen für Babys um 2500 g und mit einem Kopfumfang 28 bis 33 cm.

Also machte ich mich an die Arbeit, denn es mussten einige Anforderungen an Material und Herstellungsart eingehalten, Arbeitsanleitungen, Strickschriften und Hinweisblätter erstellt und natürlich die ersten Modelle gestrickt werden. Bisher hatten sich „nur“ zwei Interessenten gemeldet:

Frau Edeltraud Koch, eine leidenschaftliche Strickerin und Leiterin der „Fibromyalgie-Selbsthilfegruppe“ Wismar sowie Frau Sybille Kock, die leider wegen starker Bewegungseinschränkungen der Hände und Schultern nicht mit Wolle und Nadelspiel umgehen konnte. Sie wollte aber dabei sein und für die anderen Strickerinnen Kaffee kochen und die Mützen in die Klinik bringen. Welche anderen sie wohl meinte?

Um die Rheumatiker und FMS-Betroffenen für das Vorhaben zu aktivieren und gleichzeitig auf die Aktivitäten der AG Wismar der Rheuma-Liga aufmerksam zu machen, wäre eine Information in der Lokalpresse sicher sinnvoll, dachte ich.

Meine Belastungsgrenze war vorübergehend bereits erreicht. Hilfe kam dann von Frau Wulf und Frau Koch.

Ich freue mich, dass mein Vorhaben Realität geworden ist und die kleine Gruppe  (10 - 11 Personen) viel Spaß bei den monatlichen Treffen hat.

Carola Wolff, Fibromyalgie-Selbsthilfegruppe Wismar

 

Als ich von dem Vorhaben „Stricken für Frühchen“ hörte, war ich  natürlich  Feuer und Flamme.

Sofort strickte ich die ersten Modelle nach bestimmten Vorgaben.

Ich nahm Kontakt mit der Neugeborenen-Intensivstation auf. Ich erzählte der Stationsleiterin Manuela  von unserem Vorhaben, was sofort Anklang fand. Da wir einen Artikel in die OZ geben wollten, hat sie  mich an Frau Thieme, die  Marketingleiterin der Klinik, weiter verwiesen.

Am 12. November 2013 konnten wir auf der Neugeborenen-Intensivstation  kurz die Rheuma-Liga vorstellen und an Babypuppen unsere ersten Modelle übergeben.

Was uns auf der Station  erwartete, war für uns überwältigend.

Anwesend waren der Geschäftsführer Michael Jürgensen des Sana Hanse-Klinikums Wismar, die Chefärztin Dr. med. Maria Buller. der Leitende Oberarzt, Dr. med. Jens Kujat der Klinik für Kinder-und Jugendmedizin, die Redakteurin Ina Schwarz der Ostsee-Zeitung Wismar, Schwestern der Station sowie die Marketingleiterin Fr. Thieme.

Der Geschäftsführer des Klinikums   bot uns  spontan einen Kooperationsvertrag an. Wir können für 300,00 € im Jahr Wolle kaufen. Wir waren total begeistert, dass unsere Idee so viel Zuspruch bekam.

Am 13. November 2013 erschien dann ein Artikel in der Ostsee-Zeitung.

Der Anfang war gemacht.

Bis zum heutigen Tag haben wir 141 Sets gestrickt und 109 an die Neugeborenen-Intensivstation übergeben. 1 Set besteht aus einer Mütze und 1 Paar Söckchen bzw. Schühchen.

Es ist  immer eine Freude, wenn wir uns treffen, wieviel  tolle Mützchen und Schühchen  gestrickt wurden.

Durch unsere gemeinsamen Treffen sind wir als kleine Gruppe eng zusammen gewachsen.

Für mich ist es ein gutes Gefühl noch gebraucht zu werden, wenn auch der gesundheitliche Zustand nicht immer der Beste ist.

Edeltraud Koch, Leiterin der Fibromyalgie-Selbsthilfegruppe Wismar

 

Im Sonntagsblitz vom 17.11.2013 las ich den Artikel “Mützchen für Neugeborene gestrickt“.

Dieser Artikel war der Auslöser für  mich, mich  mit Carola Wolff in Verbindung zu setzen. Im Internet hatte ich bisher noch keine Strickgruppe in meiner Nähe gefunden, die für Frühchen oder Neugeborene strickt. Das erste Treffen mit ihr und das Anliegen der Gruppe überzeugten mich, dort aktiv mitzuarbeiten.

Ich freute mich schon auf das erste Treffen in der Gruppe am 17. Dezember 2013.

 Bei einer Tasse Kaffee und Kuchen stellten wir unsere Mützchen und Schühchen vor, plauderten über neue Strickmuster und bekamen neue Ideen. Ein besonderes Erlebnis ist es, wenn wir diese Stricksachen persönlich der Neugeborenen-Station des Sana Hanse-Klinikums Wismar übergeben und die kleinen Erdenbürger sehen. Besonders freuen wir uns,  dass diese  Sets als Geschenk der Klinik an die Muttis  übergeben werden.

Sie sind liebevoll verpackt in zu diesem Zweck selbst gefalteten Schächtelchen.

Ich glaube im Namen der Strickerinnen zu sprechen, dass wir uns alle immer auf unser nächstes Treffen  freuen.

Siegrid Lange aus Rehna

 

In unserer Schwimmgruppe sprach es sich bald rum, dass Carola eine begnadete Handarbeiterin ist und auch Strickkurse in der Volkshochschule anbietet. Da ich wegen einer rheumatischen Erkrankung schon jahrelang in ärztlicher Behandlung war und dennoch mit Höhen und Tiefen kämpfte, steckte mich die Fröhlichkeit unserer Schwimmgruppe an. Bald schon freute ich mich auf unsere Treffen.

Als Carola  mit der Idee an uns herantrat gemeinsam zu stricken und damit auch etwas Gutes zu tun, fing ich gleich Feuer.

Ich wusste, dass früher die Schwestern oft in ihren Nachtschichten mal gestrickt hatten. Und wenn so einem kleinen ,,Würmchen“ mal gar nichts an Krankenhauswäsche passte, wurden auch schon mal ein kleines Mützchen und Strümpfchen hergestellt.

Aber was sagt das Sana Hanse-Klinikum heute dazu? Ist es überhaupt erlaubt, mit unserer Handarbeit Angehörigen mit einem Frühchen eine Freude zu machen?

Da ich im Klinikum arbeite, bin ich zu Frau Thieme in die Marketingabteilung gegangen. Sie war sehr angetan von unserer Idee und versprach, dem Geschäftsführer  Herrn Jürgensen unser Angebot zu unterbreiten.

Große Freude kam auf, als wir hörten, dass das Klinikum uns nicht nur zu der tollen Idee gratulierte, sondern uns sogar noch ein jährliches Budget für Wolle zur Verfügung stellt.

 Es wurde zwischen dem Geschäftsführer Herrn Jürgensen als Vertreter des Sana Hanse-Klinikums und unserer ,,Frühchenstrickgruppe“ ein Vertrag unterzeichnet und schon konnten wir loslegen.

Als Edeltraud, Carola und Sybille uns erzählten, wie süß die kleinen Erdenbürger sind und wie dankbar die Schwestern waren,  hatte sich für uns alle Mühe gelohnt.

Heute muss ich sagen dass mir etwas sehr Gutes widerfahren ist,  trotz meiner Erkrankung.

Ich habe neue Lebensfreude gefunden, weil sich aus der Gruppe heraus auch Freundschaften

entwickelt haben. Wir klönen, probieren Muster aus, es wird Kuchen gegessen und Kaffee

getrunken und es werden auch mal über das eine oder andere Zipperlein Erfahrungen ausgetauscht.

Die Truppe möchte ich nicht mehr missen und wünsche vielen Betroffenen auch so gute

Weggefährten.

 

Kerstin Steinhagen aus Zarnekow

 

 

Am Anfang war die IDEE……….

Unsere Carola ist eine erfahrene Strickerin, hinzu kam Edeltraud mit ihren organisatorischen Fähigkeiten. Sie bildeten sozusagen unser „Pärchen“, dass in kurzer Zeit viele „Kinder“, sprich viele neue Hände für unser Projekt Babystricken für Frühgeborene bekam.

Schön und gut. Doch,  ach du liebe Zeit, wie soll ich mit meinen steifen, schmerzenden Fingern und Händen solch kleine Mützchen und Schühchen stricken, ohne dass meine Finger sich um die Nadeln wickeln? Nein das war nichts für mich. Aufgeben… NEIN!

Somit entschloss  ich mich zu häkeln, da gibt es nur eine Nadel! Nun, die Nadel und ich sind inzwischen „Freunde“ geworden, wenn  ich auch manchmal nicht weiß, was es werden soll, aber es macht Spaß.

Für mich ist die Gruppe einmal im Monat ein fester Bestandteil geworden, denn als ,,Fibropatient“ fällt man schnell in eine soziale Isolation.

Nun bin ich in geselliger Runde, bekomme viele wertvolle Tipps für alle Lebensbereiche und,  wenn es gesundheitlich mal nicht so will, kann ich  Kaffee oder Tee kochen und „schnattern“ – das geht immer!

........... Denn wenn du denkst, es geht nicht mehr, kommt irgendwo ein Lichtlein her…….

In diesem Sinne herzlichst eure Fibropatientin

Marlis Iserhot, Webelsfelde

 

Endlich wieder sinnvolle Strickerei

In der OZ las ich von den Erfolgen einer Frauengruppe, die Mützchen und Strümpfchen für Frühchen stricken, und die  noch Mitstreiterinnen suchen. Das war etwas für mich!  Die Kilos  Wolle, die ich schon verarbeitet habe, kann ich nicht mehr überblicken. Aber meine Abnehmer sind mir entwachsen und meine Finger hatten Zwangspause. Seit Dez.2013 stricke ich nun Sachen für Frühchen und tausche in einer Gruppe mit liebenswerten, interessanten Frauenzimmern Erfahrungen aus. Dank der guten Wollqualität, die Wolle bezahlt das Hanse-Klinikum, macht die Strickarbeit Freude und die Ergebnisse sind hübsch und werden - wie ich hörte - dankbar angenommen. Ich habe wieder Freude an der sinnvollen Feierabendarbeit, dem Sticken. Übrigens ist  das  auch eine sehr sinnvolle kostenlose Gymnastik für älter werdende Fingergelenke!

Dr. Ute Mildner, Zierow

Vor einigen Jahren sah ich im TV einen Beitrag über die Optimierung der "Brutkastentemperatur" und wie sinnvoll daher gestrickte Wollmützen und Strümpfe für die Kleinen sind.

 Als Frau Wolff vor dem Funktionstrainig über das geplante Projekt informierte, dachte ich sofort, das ist eine gute Sache. Gestrickt hatte ich zuletzt zu DDR-Zeiten. Aber kann ich da mitmachen? Schaffe ich das???  Ich bin mit 37 mit einer Depression berentet worden. RA kam dann mit 44 Jahren noch dazu. Und beides hat mich voll im Griff.

Unser 1. Treffen im November 2013 werde ich nie vergessen. Ich war angespannt, voll im Stress. In meinem Kopf kreiste es. Nach dem Treffen wollte ich gleich  noch zu meinem Vater ins Krankenhaus.

Bei Kaffee und Keksen habe  ich Maschen aufgenommen. Meine Maschen hatten sich verdreht -  ich brauchte Carolas Hilfe. Ich dachte - bringe ich denn nichts mehr zustande?

Doch am Ende des Treffens nahm ich wahr - die Kopfschmerzen waren weg. Die Konzentration auf das Stricken und die angenehme Stimmung in der Gruppe hatten mich entspannt. Für die erste Frühchenmütze habe ich mehrere Tage gebraucht. Ich konnte nur so lange stricken, bis die Schmerzen kamen. Heute brauche ich nur noch einen Abend  für eine Mütze. Die Beweglichkeit meiner Hände hat sich verbessert.

 

 Positiv war das Projekt auch für die Gruppe. Nicht nur ich bin bei den Treffen aufgetaut. Mit dem gegenseitigen Zeigen unserer " Werke" und mancher Muster und Kniffe sind Vertrautheit und Verbundenheit entstanden. Es wird schon lange  nicht nur über Strickmuster gesprochen, sondern was uns überhaupt bewegt.  Mit dem Frühchenstricken sind wir zur Selbsthilfegruppe geworden.

 

Christine Schimanek Wismar

 

 

Die Erkrankung Fibromyalgie-Syndrom geht mit chronischen Schmerzen im Muskel- und Skelettsystem, chronischer Müdigkeit, Erschöpfung, geringer Belastbarkeit, Schlafstörungen, Kopfschmerzen, Reizdarm, Menstruationsstörungen und psychischen Störungen (wie Stimmungslage, Konzentration, Gedächtnis) einher.

Am häufigsten sind Frauen betroffen und sie werden durch diese Krankheit, die lange nicht als eine Krankheit  eingeschätzt wurde, ins Abseits geschoben.

Es gibt z.Z. keine generelle Therapiemöglichkeit, aber sehr unterschiedliche, individuelle Möglichkeiten, diese Erkrankung erträglich zu halten.

Als eine dieser Möglichkeiten  haben wir für uns Zusammenkünfte gefunden, bei denen erfreulicherweise nur in Ausnahmefällen über  Krankheitsprobleme gesprochen wird.

„Schnatterstunden“, gemeinsame Unternehmungen, sinnvolle Tätigkeiten und dabei  das Gefühl, trotz  der individuellen Schwankungen des Krankheitsbildes - von Schmerz bis depressiv -, gebraucht zu werden. Das zeigt sich für unsere Gruppe in der Fertigstellung von Mützchen und Schühchen für Frühgeborene.  Unsere Mitglieder waren  vormals alle vollzeitbeschäftigt in den verschiedensten Berufen.  Sie haben alle unterschiedliche Lebenserfahrungen und Befindlichkeiten und können sich hier in der Gruppe austauschen und in der Gemeinsamkeit wohlfühlen. Damit wird ein Teil des Lebensglücks zurückgegeben.

Dr. Ursula Seidlitz, Karow

 

Die ,, Stricken für Frühchen“-Gruppe bedankt sich ganz herzlich bei der Geschäftsleitung, der Marketingleitung und der Neugeborenen-Intensivstation des Sana Hanse-Klinikums Wismar für die freundliche Unterstützung.

 

Kommentare

Am 14.10.2014 20:24 Uhr schrieb Carola Wolff
unter "Stricken für Frühchen-Facebook" ist ein öffentliches Tagebuch über unsere Strickereien eingerichtet. Dieses Projekt tut uns allen sehr gut.

Am 21.01.2015 17:52 Uhr schrieb Gabriele Sawatzki
Hallo ihr lieben, ich bin durch Zufall auf diese Seite gestoßen und finde die Idee super. Ich bin zwar aus einer ganz anderen Ecke her (Hessen )aber ich würde gerne für euch mit stricken. Bräuchte nur eine Anleitung für Mütze und Söckchen. Wäre es möglich? LG Gabi

Am 24.01.2015 09:45 Uhr schrieb Carola Wolff
Liebe Gabriele, schön, dass Du uns helfen möchtest. Klick einfach die Seite "Stricken für Frühchen- Facebook" an (auch für Nichtfacebooker zugänglich). Dort findest Du die Anleitungen und kannst uns mailen. LG Carola

Am 11.04.2016 20:36 Uhr schrieb Anja Gebauer
Ich würde mich der Strickgruppe gerne anschließen. Bin vor einem halben Jahr nach Wismar gezogen und freue mich üner neue Kontakte. Liebe Grüße von Anja

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