Aufeinander zugeben; gegenseitiges Verständnis; miteinander leben und arbeiten.

Aufeinander zugehen; gegenseitiges Verständnis; miteinander leben und arbeiten.

Unter diesem Motto brachten die Organisatoren drei Generationen zu einem Seminarwochenende zusammen, um das Verständnis füreinander weiter zu verbessern und die Teilnehmer, zwischen 16 und 80 Jahren, über altersspezifische Erkrankungen des rheumatischen Formenkreises zu schulen.

Ein Hauptschwerpunkt lag in der Thematik: „Transition“, in den die Teilnehmer aktiv eingebunden waren und eigene Erfahrungen einbringen konnten.

Das generationenübergreifende Seminar  fand im September 2014 im Ostseebad Rerik statt und wurde gut angenommen.

Der Landesverband Mecklenburg-Vorpommern der Deutschen Rheuma-Liga und der Elternkreis Rheumakranke Kinder begannen mit den organisatorischen Vorbereitungen im August 2013. Mit Beginn der Projektarbeit gab es dennoch einige Bauchschmerzen, ob dieses Vorhaben gelingen würde. Jung und Alt zusammenzubringen war eine Herausforderung, die es bis zu diesem Zeitpunkt in dieser Art noch nicht gegeben hatte. Es galt die Bedenken auszuräumen und ein allumfassendes Seminarprogramm zu erarbeiten. Die Themenauswahl musste gut vorbereitet werden, damit der geplante Zeitansatz genutzt  und durch die Teilnehmer der maximale Schulungserfolg erreicht werden konnte.

Viele offene Punkte galt es zu klären; welche Seminarinhalte wählen wir, welche Interaktionen für welche Altersgruppe bereiten wir vor, welche Referenten stehen uns zur Verfügung und ganz besonders in welcher Jahreszeit und in welcher Region setzen wir unser Vorhaben um. All diese Punkte fanden sich mit Fertigstellung in der Projektvorbereitung wieder und damit konnten wir das „Generationencamp 2014“ auf ein sicheres Fundament stellen

Nach Beginn unsere Vorbereitungen wurden die Bedenken schnell ausgeräumt und wir waren bereit, diese Herausforderung anzunehmen und in die Realität umzusetzen.

Mit der Erarbeitung der Konzeption für unsere Projektanträge sowie der Gewinnung weiterer  Mitorganisatoren kamen die Kreativität für das Projekt, die Freude an dieser Arbeit und die Lust auf etwas Neues.

Die Anreise in Rerik verlief reibungslos und nach dem Einchecken begann das Seminar mit dem Vortrag Herrn Dr. Tzaribachevs zum Thema: „Kindliches Rheuma, Medikation und Therapien sowie deren Auswirkungen auf die gesamte Familie“. Darüber hinaus unterrichtet er die Teilnehmer über den aktuellen Stand der ärztlichen Versorgung in Mecklenburg-Vorpommern und den Projektaufbau für eine erfolgreiche Transition, die ganzheitlich in unserem Bundesland installiert werden muss. Interessiert verfolgte die ältere Generation den Ausführungen zu rheumatischen Erkrankungen im Kindes- und Jugendalter, die in verschiedenen Punkten mit massiven Problemen für die jungen Patienten verbunden sind. Einige betroffene Jugendliche sprachen von massiven krankheitsbedingten Problemen, sozialen Einschränkungen bis hin zu Isolation oder Mobbing.

Die ärztliche Versorgung konnte sich in den letzten 10 Jahren leider nicht stabilisieren, eher von einer Verschlechterung der kinderrheumatologischen Versorgung ist auszugehen. Betroffene Familien berichten von langen Anfahrtswegen, um den Zugang zu einer Kinderrheumatologie für ihre betroffenen Kinder zu gewährleisten. Viele Familien nehmen die ganzheitliche, ärztliche Versorgung in Garmisch-Partenkirchen in Kauf und verbringen dort die Familienurlaube, damit die Kinder fachärztlich und therapeutisch versorgt werden können.

Während des Seminars kann man die Erschütterung in den Gesichtern der Erwachsenen erkennen. Ihre Ohnmacht bestätigt sich in den anschließenden Diskussions- und Fragenrunden.

Dass die Versorgung hierzulande so schwach ist, hätte niemand gedacht, bestätigen uns die Teilnehmer in persönlichen Gesprächen.

Am Abend wurde ein neues Projekt des Elternkreises vorgestellt. Das Angebot von Schulgesprächen in Klassen mit rheumakranken Kindern dient der Aufklärung der Mitschüler über eine ihnen unbekannte Krankheit. So können Vorbehalte abgebaut und ein besseres Verhältnis aufgebaut werden. Auch das Verständnis der Lehrer ist wichtig für eine gute Gestaltung der Schulzeit. Praktische Übungen veranschaulichen den Kindern und Jugendlichen, welche Einschränkungen mit der Krankheit verbunden sind.

Herr Prof. Kneitz referierte am Samstag und unterstrich die regional schlechte Versorgung rheumakranker Menschen. Bei der kinderrheumatologischen Versorgung sprach er über die Hoffnung, das sich zeitnah einen Facharzt in Mecklenburg-Vorpommern niederlässt. Die Behandlung betroffener Kinder kann kein Rheumatologe ohne entsprechende Ausbildung abdecken, obwohl er selber in seiner Sprechstunde Kinder und Jugendliche ärztlich betreut. Im Folgenden stellte er die verschiedenen Krankheitsbilder unter Hinzuziehung von Bilder dar, da diese klar erkennbar und aussagekräftiger sind als Worte. Herr Prof. Kneitz unterstrich die Notwendigkeit einer ganzheitlichen Zusammenarbeit zwischen Rheumatologen, Kinder- und Hausärzten, Orthopäden sowie einer funktionierenden Transitionssprechstunde.

Neben den medizinischen Schwerpunkten standen auch aktive Themen auf dem Stundenplan.

Bei der Aktivtherapie im Kletterwald Kühlungsborn konnten sich die sportlichen Teilnehmer auf ein Abenteuer einlassen, bei dem sich die eigenen Grenzen klar erkennen ließen und die Bereitschaft den eigenen Mut zu beweisen, ausgezahlt haben. Bei der ärztlich betreuten Klettertour wuchsen alle Teilnehmer über sich hinaus und berichteten stolz und zufrieden von dem Geleisteten und dem Nichtzutrauen im Vorfeld.

Während dieser Zeit konnten sich die anderen Teilnehmer bei einem Kreativworkshop mit Frau Kittendorf – Ergotherapie, Arbeiten mit Ton – künstlerisch verwirklichen. Es entstanden viele Werke, die eine Geschichte erzählen. So kreierte eine Teilnehmerin den ... – das Fibromyalgiemonster als Teil ihrer Krankheitsbewältigung. Zum Schluss standen viele Kunstwerke bereit und warten auf ein kreatives Nachfolgeprojekt, welches sich in Planung für 2015 befindet.

Trotz des strengen Programms interessierten sich die Teilnehmer  auch am Abend noch

für ein theoretisches Thema: Ausbildungs- und Berufstätigkeit mit Rheuma. Dort konnten alle Beteiligten persönliche Erfahrungen einbringen und voneinander profitieren.

Das Erlernen erster Fähigkeiten zum Schutz der eigenen Person während des Selbstverteidigungskurses stand auf dem Sonntagsplan und festigte bei den Teilnehmern das Selbstwertgefühl. Darüber hinaus zeigte es ihnen, dass sie trotz einer Erkrankung nicht schwach und angreifbar sind. Von Abwehrverhalten bis Angriffen zum Eigenschutz wurde immer wieder geübt und die Handgriffe verbessert. Während der regelmäßigen Trainingspause standen einige Teilnehmer nicht still und probierten sich weiter aus. 

Unsere kreativen Damen nahmen währenddessen an einem Fingerstrickworkshop teil und produzierten selbstgefertigte Schals. Die Fingerstrickübungen waren ideal geeignet für Rheumatiker. Die handwerklichen Griffe ohne Belastungen der betroffenen Gelenke,  trugen erheblich zur Verbesserung der Feinmotorik bei und am Ende präsentierten die Damen wunderschöne Ergebnisse, die sich sowohl für den täglichen Einsatz, als auch als Geschenk eignen.

Mit unserer Abschlussbesprechung endete ein abwechslungs- und erlebnisreiches sowie schönes Wochenende. Die Kritik war durchweg positiv und der Wunsch für eine Fortsetzung des Projektes wurde unterstrichen.

Meinerseits kann ich einschätzen, dass es sich um ein gelungenes Seminarwochenende handelte und das Netzwerk in der Versorgung betroffener Menschen mit rheumatischen Erkrankungen erweitert sowie enger werden konnte.

Ich möchte mich im Namen des Organisationsteam bei allen Teilnehmern, Referenten und bei den Mitarbeitern des Familienferiendorfes Rerik bedanken.

Ich freue mich auf unsere zukünftige Zusammenarbeit zum Wohle betroffener Menschen in M-V.

J. Foitzik
Deutsche Rheuma-Liga Mecklenburg-Vorpommern e.V.


Lesen Sie den Bericht des Arbeitskreises 35+

 


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